Die Geschichte der BS-Istanbul

Unsere Schule ist eine besondere Schule. Der Name macht es deutlich:

Privatschule der Deutschen Botschaft Ankara - Zweigstelle Istanbul

Eine Botschaftsschule an einem Ort, an dem gar keine Botschaft ist.

Schon 1843 existierte in Istanbul eine deutsche Schule für deutsche protestantische Kinder. Der erste Schulunterricht fand 1854 mit zunächst drei Kindern im preußischen Gesandtschaftshotel statt. 1867 wurde in der Nähe des Galataturms die Bürgerschule gegründet, die 1872 bezogen wurde. Ein intensives Erdbeben 1894 beschädigte das Gebäude so stark, dass der Schulverein entschied, einen Schulneubau in Beyoglu zu errichten. Damit entstand der Bau des heutigen Alman Lisesi, in dem in den unteren Etagen Kindergarten und Primarschule untergebracht waren. (1,3)

1944 wurde die Schule geschlossen und bis 1953 als Beyoglu Kiz Lisesi (Beyoglu Mädchengymnasium) unter türkischer Leitung benutzt. 1953 gab der türkische Staat die Schule zurück. Man gründete den Verein zum Betrieb der Deutsche Schule und das Alman Lisesi (Deutsches Gymnasium) nahm seinen Betrieb wieder auf. (3)

Aus dieser Schule wurde 1961 die Deutsche Botschaftsschule ausgegliedert. Sie umfasste die Jahrgänge 1-5 gemäß der damaligen türkischen Mindestschulpflicht. Türkische Schulgesetze machten diesen Schritt für deutsche Kinder, die mit ihren Eltern begrenzte Zeit in Istanbul lebten, erforderlich.
Die Schülerzahl stieg von 100 Schülern im Jahre 1961 so stark an, dass man sofort nach der Neugründung mit der Planung und Durchführung einer neuen Schule begann.

1964 wurde das heutige Schulgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Biergartens des Club Teutonia an dessen Clubgebäude angebaut und die Geschichte der Schule ist seitdem eng verknüpft mit der inzwischen 155jährigen Geschichte des Club Teutonia, der ursprünglich als Handwerkerverein von Deutschsprachigen in Istanbul gegründet wurde.

In den 60er und 70er Jahren kamen sehr viele Lehrer mit Familien nach Istanbul, um am Alman Lisesi und Erkek Lisesi (heute Istanbul Lisesi) Deutsch zu lehren. Die Schülerzahlen stiegen bis auf 207 Schüler im Jahre 1971 an. (2)

In den politisch unruhigen Jahren zwischen 1970 und 1980 kam es zu einem Bombenanschlag auf das Teutoniagebäude und zu weiteren Bombendrohungen. Die unteren Fenster des Gebäudes wurden vergittert. Das Stadtviertel verkam und veränderte sich derart negativ, das sich der Elternbeirat aus diesen und anderen Gründen ab 1977 nach einem anderen Standort umsah Fast 20 Jahre verfolgte man das Projekt, auf dem Gelände der BRD im Deutschen Botschaftspark in Tarabya (heute: Historische Sommerresidenz des Deutschen Botschafters in Ankara) eine neue Schule zu errichten. Es wurden auch diverse leer stehende Gebäude zwecks Anmietung besichtigt. Über Jahre sparte man finanzielle Mittel für den Tag X an und arbeitete auf allen Ebenen teilweise mit großem Nachdruck an einer solchen Lösung.

1986 gründete man den Schulverein. Es wurde ein Vorstand gewählt, Elterngremien geschaffen, Satzungen und Ordnungen ausgearbeitet und diese auch verabschiedet.

Ende der 90er Jahre beendete man den Traum von einer neuen Schule und konzentrierte sich auf die Renovierung des bestehenden Gebäudes, das nun umfassend modernisiert wurde. Der Kindergarten wurde ebenfalls von Grund auf saniert. Hinzu kamen die Ausgestaltung des Pausendaches und des Schulhofes vor dem Gebäude.

1998 wurde durch ein weiteres Schulgesetz die 8jährige Schulpflicht in der Türkei eingeführt.

Seither werden unter dem Namen „Privatschule der Deutschen Botschaft Ankara - Zweigstelle Istanbul„ die Klassen 1-8 geführt. Sie sind in zwei getrennten Gebäuden untergebracht. Klasse 1-4 (Primarstufe/Grundschule) im Teutoniagebäude, Klasse 5-8 (Sekundarstufe I im Alman Lisesi).

Seit Februar 2015 ist der Kindergarten in der Sommerresidenz der deutschen Botschaft in Tarabya untergebracht.

Die Grundschule startete im neuen Schuljahr mit 4 Klassen, das Kollegium setzt sich aus 8 Lehrkräften zusammen.

Diese Zusammenfassung beruht auf folgenden Quellen:

(1) Die Geschichte der deutschen evangelischen Gemeinde in Konstantinopel von 1843 bis 1932.
(2) Geschichte der Teutonia von Barbara Radt, Orientinstitut der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft.
(3) Festschrift des Alman Lisesi: 125 Jahre Deutsche Schule Istanbul.
(4) Chronologie zum „Schulneubau in Tarabya“ von Dr. Helga Prignitz Poda mit einem Bericht von Frau Barbara Radt, ehemalige Vorstandsvorsitzende des Schulvereins, anlässlich einer Schulelternbeiratsversammlung 1984